KITA NEBELSCHÜTZ [W]
Realisierungswettbewerb_ökologisch kreative Kindertagesstätte
INSPIRATION
Die grundsätzliche Ausrichtung der Intentionen der Gemeinde Nebelschütz auf Gemeinwohl und Partizipation seiner Bewohner, ließen uns die Kinderzeichnungen bewusster wahrnehmen und die Kinder als gleichberechtigten Teil der Gemeinschaft verstehen. Die Vorstellungen der Kinder lassen sich als räumliche und emotionale Themen lesen. Für Kinder ist ein Haus ein "Haus", das Spielen auf einer zweiten Ebene oder das Fenster zum Himmel sind nur einige dieser konkreten Bilder, welche es zu interpretieren und umzusetzen galt.
TYPOLOGIE
Die Gemeinde Nebelschütz hat eine gewachsene und intakte dörfliche Typologie, welche es zu erhalten und fortzuschreiben gilt. Die geschlossenen Hofstrukturen aus Drei- und Vierseithöfen prägen den besonderen Charakter des Ortes, welcher auch abseits der selbstauferlegten Gestaltungssatzung aufgenommen und zeit-gemäß übertragen und interpretiert werden muss. In der genauen Analyse sind im wesentlichen zwei Haupttypologien festzustellen. Hierbei handelt es sich aus ihrer historischen Entstehung heraus, um Groß- und Kleinbauerngehöfte, welche sich noch unterdifferenzieren lassen. Trotz verschiedenster Überformungen der jungen und jüngsten Vergangenheit lassen sich die Einheiten und deren bauliche Ausformung noch sehr gut erkennen.
AUSRICHTUNG
Durch die "Umnutzung" der bestehenden Hoftypologien macht sich für die neue Nutzung als Kindertages-stätte eine Ausrichtung zu Sonne und Licht erforderlich, welche bei der landwirtschaftlichen und ländlichen Nutzung keine vordergründige Priorität spielte. Im Besonderen müssen die Gruppenräume in die Sonne gedreht werden, um eine ganztägige Tageslichtnutzung zu ermöglichen. Durch das Spiel mit Fenstern/ Verglasungen und gegenläufigen Oberlichten im Dach können die Gruppen mit Morgensonne beginnen und in der Nachmittagssonne den Tag ausklingen lassen.
FORMUNG
Die alten Hofstrukturen, welche sich aus Wohnhäusern, Stallungen, Scheunen und Werkstattgebäuden bildeten, mussten verformt und modifiziert werden, um die neuen Nutzungen von Gruppenräumen, Mehrzweck-, Musik- und Werkraum, sowie die dienenden Funktionen der Verwaltung und der Neben- und Sanitärräume optimal aufnehmen zu können. Bei dieser Verformung wurde gleichsam die Feinjustierung bezüglich der Ausrichtung, Besonnung und Verschattung vorgenommen.
ELEMENTE
Die nun so gefundene hofartige Bebauungsstruktur wird mit einem "Loop" durchzogen, um alle Gebäudeteile mit einander zu verbinden und einen internen Bewegungs- und Kommunikationsraum zu schaffen. Unter dem Thema "Alle unter einem Dach" wurde eine leichte und durchscheinende Hülle entwickelt, welche trotzdem die Zusammengehörigkeit und Geborgenheit in sich trägt und nach außen darstellt. Durch die unregelmäßige Faltung wird auf innere wie äußere Einflüsse reagiert und es entstehen individuelle und lebendige Raumkonfigurationen.
KONSTRUKTION
Bei der Materialwahl für die Konstruktion wurde neben den konstruktiven Eigenschaften der Fokus auf die Kriterien Nachwachsend, Regenerativ und co²-Neutralität gelegt. Holz und Lehm sind unter diesen Auswahl-kriterien die sinnvollsten Materialen mit gänzlich verschiedenen und doch harmonischen Qualitäten. Das Holz wird in unterschiedlicher Form als das tragende und konstruktive Material eingesetzt. Die Dach-konstruktion besteht aus Nagelbindern und Massivholzwände werden als Außenwand und lastabtragende Bauteile eingesetzt. Der Lehm als Stampflehmwand bildet eine Innenwand des durchlaufenden Loops und kann dort sein volles Leistungsspektrum in Form von wärme- und feuchteregulierenden Eigenschaften, guten Schallschutzfunktionen und optische Wärme einbringen. Durch die weitspannenden Dachtragwerke haben die Innenwandkonstruktionen keine lastabtragenden Funktionen zu übernehmen und können sich in Gänze auf die wichtigen bauphysikalischen und -biologische Eigenschaften konzentrieren.
HÜLLE
Die Dach- und Außenwandflächen sind mit einer homogenen Holzkantelverkleidung überzogen und bilden damit eine leichte und durchscheinende Hülle für die Baukörper und gleichsam für die Einrichtung selbst. Diese Hülle ist ein Filter zwischen Innen und Außen, lässt das Licht wie durch eine Waldlichtung scheinen, verbirgt etwas und macht es doch sichtbar. Die Holzverkleidung aus Lärche wird durch die Zeit mit der Umgebung verwachsen und nur durch die herausgestellten Fenster mit eloxierten Aluminiumrahmen wie ein Glitzern durchstossen.

