KINDERHAUS STRUPPEN [W]
Realisierungswettbewerb
STANDORT UND KONZEPT
Die Umgebung des Standortes ist sowohl von seiner Geschichte, als auch von einer heterogenen baulichen Struktur gekennzeichnet. Starke Prägung erfährt das Gelände von der im 19.Jahrhundert errichteten und aus mehreren Gebäuden bestehenden „Soldatenknaben- und Erziehungsanstalt“. Dieses streng orthogonale Karree im Nord-Osten übt mit seinem Hauptgebäude oberhalb des Baufeldes eine bestimmende Dominanz aus. Das südlich des Baufeldes befindliche Schloss aus dem 15. Jahrhundert ist hingegen eingebettet in eine „weiche“ Landschaft mit parkartigen Ansätzen. Zwischen diese beiden, wie Gegenpole wirkenden Strukturen, befindet sich das Gebäude der Grundschule, welches zwar inhaltlich autark jedoch räumlich mit dem ehem. Unterkunftsgebäude einen nach Südwesten offenen Winkel beschreibt und damit eine einseitig gefasste Platzsituation andeutet. Der westliche Bereich zeichnet sich durch die Dichte und reproduzierte Natürlichkeit einer Kleingartensparte aus, wobei vereinzelt Durchblicke auf die unterhalb gelegene Ortslage und die Landschaft im Weiteren erfahrbar sind. Diese Ein- und Ausblicke von und zum Gelände werden ermöglicht durch die starke Nord-Süd-Hanglage und durch die unbebauten Flächen westlich der Kleingartensparte.
Der städtebauliche Grundansatz folgt dem Anliegen, eine verbindende und räumlich gefasste Mitte auf dem Gesamtgelände zu schaffen. Durch eine nach Nord-Osten offene, Distanz haltende abgestufte Bebauung wird gemeinsam mit dem bestehenden, nach Süd-Westen offenen Winkel ein definierter Bereich gebildet. Das Einrücken auf das Grundstück und die Orientierung der Neubebauung ermöglichen letztlich den Brückenschlag zum Schloss und das „Verspannen“ einer zentralen Fläche im heterogenen Bewegungs- und Raumgefüge. So wird mit der Aufwertung des öffentlichen Raumes ein Vorbereich für Schule und Kinderhaus geschaffen, welcher eine ähnliche Maßstäblichkeit besitzt wie der Freiraum vor dem Schloss mit seiner angestrebten kulturellen Nutzung.
GEBÄUDE, FUNKTIONEN UND BEZIEHUNGEN
Das Gebäudekonzept basiert auf einer Staffelung von Baukörpern und Funktionen, dabei die Topographie mitnehmend und den öffentlichen Vorbereich begleitend. Die drei Ebenen sind aufgrund der Hanglage an unterschiedlichen Stellen mit dem Gelände verknüpft. Dem Inhalt entsprechend und gleichsam mit dem Alter „aufsteigend“ sind die Funktionen Kinderkrippe, Kindergarten und Hort zugeordnet. Während die Kinderkrippe nach Süden orientiert ist und die Räume des Kindergartens als mittleres Bindeglied fungieren befindet sich der Hort an höchster Stelle gegenüber der Grundschule. Durch die dezentrale Lage der beiden Hauptzugänge auf Ebene -1 (Kinderkrippe / Kindergarten) und auf Ebene 0 (Kindergarten / Hort) ergeben sich zum einen für die Bereiche kurze Erschließungswege, zum anderen ist die Trennung im Gebäude jederzeit möglich. Verbindendes und von allen nutzbares Element ist der Mehrzweckraum in zentraler Lage. An den Schnittstellen zwischen Kinderkrippe und Kindergarten sowie zwischen Kindergarten und Hort sind Kopplung und Austausch von Flächen denkbar. Die vertikale Erschließung erfolgt über zwei Treppen und barrierefrei mittels Aufzug. Die innere Organisation folgt dem Gruppenraumkonzept und ist in den Hauptbereichen in Erschließungsflur, Raum und Laubengang/Terrasse zoniert. Zwischen den Gruppen-räumen sind Garderoben und Sanitärkerne angeordnet, welche als Schleuse und Kopplung zwischen Innen und Außen bzw. zwischen den Räumen dienen. Durch diese dezentrale Anordnung werden kurze Wege und gute Aufsicht, insbesondere in Krippe und Kindergarten erreicht. Die direkte Anbindung der Laubengänge und überdachten Terrassen, welche zusätzlich zum Freigelände ca. 400 m² umfassen, bieten mit ihren eigenen Freiraumqualitäten darüber hinaus einen schnellen Zugang zu den Freispielflächen.

