STADTBAD SCHKEUDITZ
Freiraumgestaltung des ehemaligen Stadtbadgeländes
MA P.Lüdike (Dipl.Ing.(FH) M.arch)
Grundlage für die Bearbeitung waren die „Konzeptionelle Vertiefung Eingang Süd - Das Stadtbad" von 2006 sowie Abstimmungsgespräche mit Vertretern der Stadtverwaltung im Rathaus und vor Ort. Ziel ist eine Konkretisierung der vorhandenen Planung unter Einbeziehung aktueller Aspekte und Vorgaben. Dabei mussten die bisherigen Entwurfselemente hinterfragt, geprüft und neu diskutiert werden.
GESAMTKONZEPT UND ELEMENTE
Die bisherige Konzeption basierte im Wesentlichen auf drei Schwerpunkten. 1. Import - Export, der Austausch und das Einbringen von Materialien anderer Standorte, 2. Die Verdeutlichung der geschichtlichen Dimension des Ortes und 3. Die Anbindung und der Brückenschlag zur Weißen Elster. Diese Schwerpunkte wurden mit verschiedenen Elementen hinterlegt, welche nun zum Teil übernommen, andere ausgeblendet wurden. Nach wie vor steht die Schaffung eines Ortes im Vordergrund, welcher als südlicher Stadteingang wahrgenommen wird. Hinzu kommt jetzt die inhaltliche und räumliche Einbindung des Museumsumfeldes. Die Anbindung und der Brückenschlag zur Weißen Elster wird als Schwerpunkt zurückgestellt.
Damit konzentriert sich der Entwurf auf das Gelände des ehemaligen Stadtbades und das direkte Museumsumfeld.
Ausgangspunkt ist die Schaffung einer deutlichen Stadtkante und Eingangssituation an der Bundesstraße von Süden kommend. Diese findet Ihre Entsprechung in der Ausbildung des „Zeitstapels" in der Länge der Giebelwand des ehemaligen Stadtbadgebäudes. „Der Zeitstapel ist eine Schichtung von Holzbalken, welche beim Abbruch der Malzfabrik geborgen wurden. Diese spannen einen zeitlichen und räumlichen Bogen von der Malzfabrik im Norden zum Anfang der Schkeuditzer Stadtentwicklung im Süden. Auf einem Sockel, welcher gleichzeitig den Beginn der Stadtentwicklung symbolisiert, erhebt sich die Wand als Informationsträger der Geschichte des Ortes. Es werden neben den Stationen Mühle, Wasser- und Elektrizitätswerk, Stadtbad, usw. auch Ereignisse und Fakten vom gesamten Ort Schkeuditz reflektiert. Die Aufschichtung der Balken bedeutet dabei eine Schichtung der Ereignisse von der ersten Erwähnung im Jahr 981 bis heute. So findet auf leichte und zwanglose Weise die Entdeckung der eigenen facettenreichen Geschichte statt. Die unmittelbare Nähe zum Heimatmuseum bietet dabei die Möglichkeit der tieferen inhaltlichen Auseinandersetzung und Verdichtung. Städtebaulich nimmt die Wand genau die Lage der Giebelwand des abgebrochenen Stadtbadgebäudes auf. Damit gibt die 3.00 Meter hohe Wand der Eingangssituation eine Klarheit zurück. Zum Grundstück bietet die Wand einerseits Halt und Fassung der angedeuteten Gebäudegrundfläche, andererseits einen gewissen optischen und akustischen Schutz. Die Konstruktion folgt einem einfachen Stapelprinzip, wobei die Stabilität durch eine im Beton verankerte Einspannung erreicht wird." (Vertiefung 2006)
Die konkrete Ausformulierung der Einarbeitung von historischen Fakten, Geschichten und Fundstücken ist im Weiteren unter Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum umzusetzen.
Daran anschließend wird der ehemalige Grundriss des Stadtbades als Optionsfläche für Installationen, Veranstaltungen, etc. mit eigener heller Materialität definiert, sowie die alte Grundmauer zum Mühlgraben gesichert und mit einer weißen Betonhaut überzogen. In Fortführung des Sockels erwächst aus der „Kaimauer" eine 1 Meter hohe Brüstung als Absturzsicherung. Vor dem Hintergrund der weißen Betonoberfläche der gesicherten Wand definiert die wieder verwendete Leuchtschrift den Stadteingang Süd. „Die während der Abbrucharbeiten der ehemaligen Malzfabrik geborgene und sichergestellte Leuchtschrift soll an exponierter Stelle reaktiviert werden. So wird im Norden das Wort "MALZFABRIK" am Ort verbleiben und im Süden der Stadt das Wort "SCHKEUDITZ" im Bereich des Stadtbades einen Platz finden. Durch die Trennung der Leuchtschrift entsteht gleichzeitig eine mental visuelle Verbindung der Stadteingänge Nord und Süd. Durch die Widererkennung werden zwei spezielle Landmarken als Nord-Süd-Koordinaten im Gedächtnis verankert. Im Bereich des Mühlgrabens steht die steil abfallende Mauer des ehemaligen Stadtbades als "harte Seite" gegenüber der "weichen Seite" der Böschung. So werden Stadtkante und Landschaft symbolisiert und darüber hinaus durch die Leuchtschrift eindeutig definiert." (Vertiefung 2006)
Von der Platzfläche aus wird der öffentliche Bereich erschlossen. Das gesamte Grundstück, einschließlich Museumsbereich, wird durch ein neues und wiederkehrendes Element überspannt. Weiße Betonstreifen laufen aus der Fläche in das Grundstück, bleiben bündig mit dem Gelände oder werden zu kleinen Mauern in Sitzhöhe. Diese Streifen teilen die Fläche in Felder und Bereiche und entsprechen damit den unterschiedlichen Nutzungen und Belägen. Sie verbinden aber vor allem die versiegelten und unversiegelten, die Museums- mit den öffentlichen Flächen.
Eine in die Platzfläche eingeschnittene Rampe führt zur tiefer gelegenen Terrasse, welche wasserseitig von einer abfallenden und vorhandenen Mauer begrenzt ist. Von hier gelangt man in den hinteren Teil des Grundstückes und weiter zum „grünen Klassenzimmer". Eine Treppe ermöglicht den Zugang zum Wasser, wobei die Option der Erweiterung mit einem Holzsteg zum sicheren Anlegen von Booten gegeben ist. Der Weg von der Stadtbadfläche über das „grüne Klassenzimmer" endet mit einer möglichen und wünschenswerten Verbindung zum internen Museumfreiraum im Bereich des Abstellschuppens.
Den gesamten öffentlichen Bereich überspannend geben die zahlreich vorhandenen, geborgenen Stützen ein Zeugnis von der einstigen umfangreichen Industriearchitektur der Stadt ab. Als torsoartige Rudimente erzeugen sie eine besondere Stimmung mit eigenem Charakter.
Das unmittelbare Umfeld des Museums stellt sich als eine Plattform aus verschiedenen Pflasterungen dar, welche dem sanierten Herrenhaus und öffentlichen Gebäude bis zur Mühlstraße eine entsprechende Fassung bietet. Der Hof gibt dabei Raum für Ausstellungsstücke und kleinere Veranstaltungen. Die Einfriedung des internen Bereiches erfolgt mittels Zaun aus Rechteck- und Flachstahlprofilen ca. 1,30m hoch. Die Zufahrt von der Mühlstraße erfolgt durch ein großflächig zu öffnendes Schiebeelement. Für das Abstellen von PKW stehen insgesamt 8 Stellplätze zur Verfügung, wobei sich drei davon im öffentlich zugänglichen Bereich befinden.
Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass mit der Umsetzung nicht nur das Museumsumfeld einer entsprechenden Nutzung zugeführt werden kann, sondern auch ein Ort geschaffen wird, der Schkeuditzern und Besuchern gleichermaßen als Ort der Erholung und der Erfahrung dient. Als Hauptverbindung zur Elsteraue steht das Stadtbadgelände exemplarisch für einen Ausgangspunkt und die weitere Qualifizierung aller Zugänge zur Aue und Verbindungen von Stadt und Landschaft. Der südliche und ausgleichende Pol der Stadt, die natürliche Landschaft der Elsteraue, gegenüber Gewerbeansiedlung und Flughafen im Norden, sollte als solcher bewusster und zugänglicher gemacht werden.
VERWEISE:
- Eingang-Süd Schkeuditz (Vertiefung 2006)
- Windfang Schkeuditz (Stadteingänge 2005)
FAKTEN:
- Auftraggeber: Stadt Schkeuditz
- Leistung: Landschaftsbau
- Leistungsphase: 3 (Entwurfsplanung)
- Fläche/Massen:ca. 2.500 m²
- Planungs-/Ausführungszeitraum: I-III 2009
- Bausumme: < 0,5 Mio
PARTNER:
- Petra Lüdike (Dipl.Ing.(FH) M.arch)

