PARKLÜCKE SCHKEUDITZ [W]
Gutachterverfahren_Brachflächengestaltung_Hallesche Straße
MA P.Lüdike (Dipl.Ing.(FH) M.arch)
Durch den Abbruch von mehreren Gebäuden an der Halleschen Straße ist nicht nur eine große und langgestreckte Brachfläche entstanden, sondern wurde gleichzeitig die gesamte südliche Einfriedungsmauer des Alten Friedhofes freigelegt, welche nun ungewollt als „Bauwerk“ in Erscheinung tritt. Durch die Notwendigkeit der Sicherung dieser Geländekante ergibt sich eine bis zu 6,00 Meter hohe Wand, welche die Funktion des Rückrades übernimmt. Bei der Thematisierung, Nutzbarmachung und Gestaltung von umfangreichen, neuen innerstädtischen Freiräumen stehen immer wieder die Fragen nach der Art und dem Umfang der Nutzungspotenziale und -möglichkeiten der Bewohner und Besucher. Die Menschen sind nicht im Urlaub oder in den Ferien, gehen somit auf der Halleschen Straße nicht wandern wie in den Bergen oder flanieren am Strand. Sie gehen einkaufen oder zur Schule, sind auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause. In dieser alltäglichen Hast benutzen sie öffentliche Räume, wie Straßen, Fußwege und Plätze, konsumieren Freiräume, wie Spielplätze oder Parks. Kurzzeitig halten sie inne, bevor sie weiterziehen. Der Verkehr rollt vorbei, Fußgänger und Radfahrer bewegen sich vorüber und brauchen ebensolche Parktaschen um zu verweilen. Für eine kurze Zeit, bevor sie in ihrer gerichteten Hast fortfahren. Genau diese Rastlosigkeit braucht einen schnell zu konsumierenden Landschaftsraum. Fastfood für die Seele, im Vorbeigehen.
Die Grundstrukturierung der Fläche wird über das Rückgrat und die bestehenden Grünfragmente hinaus, mit dem imaginären Parzellengefüge gezeichnet. Diese Nachzeichnung der Grundstücksstruktur ist nicht nur ein Verweis auf scheinbar vergangene Kleinteiligkeit, sie bietet auch die Möglichkeit einer Reihung von differenziert gestalteten Räumen. Die hochgestellten Rasenplateaus bilden mit ihren weißen Betoneinfassungen „Park.Taschen“ für die Passanten, welche unterschiedliche Landschaftsräume aufnehmen. So entsteht eine Sequenz aus natürlichen und künstlichen Referenzen. Auf den weißen Betoneinfassungen lassen sich verschiebbare „Sitzkissen“ aus Holz, welche in eingelassenen Schienen geführt werden, bewegen. Diese laden zum kurzen Verweilen ein, wobei sie sowohl das Gruppieren der Benutzern anregen, als auch deren Separierung zulassen sollen.
Die auf kleinstem Raum und zum schnellen Gebrauch zur Verfügung stehenden Freiräume werden bewusst inszeniert und in ihren unterschiedlichen Charakteren stilisiert. Die Landschaften aus Stein und Sand, aus Wasser und Blüten, aus Farben und Blättern sollen animierend und differenziert nutzbar sein.
- Der Birkenhain auf weichem Grund bildet durch die dichte Pflanzung, als Nachverdichtung des bestehenden Bewuchses, ein hohes Blätterdach aus leichtem Grün und besetzt damit das erste Feld. Die Birken stehen auf einem weichen kontrastbildenden Kunststoffboden, welcher bei der Benutzung den Eindruck eines bemoosten Waldbodens, einer weichen Wiese, vermittelt.
- Der Rosensee mit grüner Empore lädt ein zum Verweilen und zur Beobachtung. Über eine mit Platten belegte harte Fläche gelangt man vorbei am mit Seerosen bewachsenen flachen Wasserspiegel zur natürlichen Böschung und weiter auf eine erhöhte Holzterrasse. Die Lage im umwuchernden Gehölz bietet Rückzug und Schutz und lässt gleichzeitig den Blick auf die Umgebung frei.
- Die Felswand am sandigen Ufer ist als Kletterwand formuliert und bietet nach Ruhe, Beobachtung und Rückzug eine Fläche der speziellen Aktivität. Die vorgelagerte weiche Sandfläche kontrastiert zu den angrenzenden Landschaften und schafft Raum für entsprechende Assoziationen und Bilder. Damit verbunden bleibt das Gefühl von warmem Sand unter den Füßen.
- Die Gasse als steinerner Hohlweg schafft eine kurze Verbindung zur Teichstraße. Diese für Schkeuditz ortstypische Wegsituation einer „Schlippe“ ist als harte Fläche mit recyceltem Natursteinpflaster ausgebildet. Die Form des Hohlweges übersteigert zum einen die topographische Situation und stilisiert zum anderen die Vorwegnahme einer starken Benutzung.

