EINGANG-NORD SCHKEUDITZ
Vertiefung und Genehmigungsplanung ehemaliges Malzfabrikgelände
MA P.Lüdike (Dipl.Ing.(FH) M.arch)
KONZEPT
Ausgangssituation für die Gestaltung des Malzfabrikgeländes waren die konzeptionellen Überlegungen zu den Stadteingängen und deren Weiterentwicklung. So steht die Schaffung eines markanten Ortes im Vordergrund, welcher als nördlicher Stadteingang wahrgenommen wird.
Wesentlicher Ansatz ist dabei die inhaltliche Thematisierung des Geländes. Die Topographie der Bewegung steht neben einem Reservat der Beobachtung. Mit diesen zwei unterschiedlichen Bereichen werden Aspekte des Ortes und der unmittelbaren Umgebung reflektiert. Die Wege mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften bilden eine Hierarchie der Benutzung. So schaffen sie sowohl eine Vernetzung zur Umgebung und der Stadt als auch eine unabhängige und innere Bewegungsschleife. Ein historischer Bezug zur Geschichte des Ortes wird vor allem über die Wiederverwendung von Materialien und Bauteilen hergestellt. Neben der Schaffung der Topographie mittels Ziegelschotter werden geborgene Elemente wie Holzbalken und Leuchtschrift konstruktiv und gestalterisch eingesetzt.Das Konzept ist als Beginn eines Prozesses zu verstehen, welcher durch die Schaffung von Rahmenbedingungen und Initialmaßnahmen angestoßen wird. Gleichsam den Pionierpflanzen, welche erste Vegetationsschichten bilden, werden die Menschen angestiftet, ein Stück ihrer Stadt zu erobern.
TEILBEREICH "BEOBACHTEN"
Die Flächen des "Reservates" sollen grundsätzlich so qualifiziert werden, das hier durch die Selbstheilungsmechanismen der Natur ein anspruchs- und wertvoller Naturraum entsteht. Dieser Prozess soll ohne einen zusätzlichen Mutterbodenauftrag in Gang gesetzt werden, obwohl der Untergrund aus zerkleinertem Abbruchmaterial ausgesprochen ungünstige Vorraussetzungen bietet und für eine normale Bepflanzung schlecht geeignet ist. Die hierfür notwendige Pionierbepflanzung wird gezielt für diese Selbstheilung ausgewählt, wodurch sich eine eigene Gestaltung entwickelt. Darüber hinaus können bestimmte Initialmaßnahmen, wie die Anlage eines Feuchtbiotops oder die Verdichtung mit Gehölzen zur Entwicklung von Flora und Fauna oder aber zur gezielten Gestaltung der Randbereiche beitragen. Mit der Besitznahme der brachfallenden Flächen von Flora und Fauna können sich teilweise anspruchsvolle und gebietseigene Naturräume entwickeln. Der Begriff Sukzessionsfläche erhält hier seinen eigentlichen Sinn. Voraussetzung dabei ist die zeitliche und räumliche Zurücknahme der Fläche, wobei die Abgrenzung nach dem Vorbild einer "Schonung" erfolgen kann. Die Art der Abgrenzung ist unterschiedlich, sollte aber so beschaffen sein, dass ein "unbefugtes" Betreten weitestgehend ausgeschlossen und der Abschluss auch visueller Natur ist. Die verschlossene Fläche der Beobachtung lässt von Außen nur gezielte Einblicke zu und wird vor einer Benutzung geschützt, welche diesen sensiblen Bereich zerstören könnte. Das dort Entstehende bekommt eine naturräumliche Qualität, die man in öffentlichen Grünbereichen nicht erreicht. Im Inneren wird einer begrenzten Benutzergruppe die Möglichkeit gegeben, die natürliche Entwicklung zu beobachten. Dort kann vermittelt werden, durch welche Prozesse sich die Natur Flächen wieder aneignet und sie besetzt. Flora und Fauna wird ungestört entstehen und sich zu einem Refugium im urbanen Kontext entwickeln.
VERWEISE:
- Windfang Schkeuditz (Konzeptionelle Studie Stadteingänge Schkeuditz - 2005)

