Projekte 2005 Wettbewerbe NORDTOR BÜHL [W]

NORDTOR BÜHL [W]

Städtebaulicher Ideenwettbewerb_ 3. Preis

ARGE mit töpfer bertuleit architekten Berlin

Bhl

STÄDTEBAULICHES KONZEPT

Ausgehend von der vorgefundenen Situation konzentriert sich unser planerischer Ansatz für die Gestaltung der nördlichen Eingangssituation der Bühler Innenstadt auf die Schaffung eines prägnanten städtebaulichen und architektonischen Auftaktes. Hierbei wird bewusst auf die "Schließung" des städtebaulichen Gefüges zugunsten einer offenen Geste der Begrüßung und Einladung verzichtet. Ein sich nach Norden öffnendes Baukörperensemble interpretiert den Begriff der Torsituation neu, indem es einen öffentlichen Ort der Begegnung, Kommunikation und Aktion etabliert.

 

Der neue "Nord-Platz" wird so zum Anfangspunkt einer sich aufspannenden Achse über die Hauptstraße zum Rathaus- und Kirchplatz. Die historische nördliche Grenze der Bühler Kernstadt findet hier ihre Neudefinition. In einem "Überschreiten" dieser Grenze zwischen ehemaliger Kern- und Vorstadt, formuliert die neue Bebauung eine hybride Situation der Verwebung von Bebauungs- und Freiraumstrukturen. Im Bereich der Rheinstraße findet die westliche Platzkante ihre klare Fortführung. Nördlich der Grabenstraße wird die benachbarte offene Bebauungsstruktur aufgegriffen und für die hier vorgesehene Wohnbebauung thematisiert. In vielen Bereichen muss zwischen Erhalt und Abbruch der bestehenden Bausubstanz sorgfältig abgewogen werden. Aus unserer Sicht ist die Realisierung in einzelnen Bauphasen oder einzelner Bauabschnitte sinnvoll und möglich.

So kann in einer ersten Phase die Bebauung um den neuen "Nord-Platz" südlich Rheinstraße / Grabenstraße als funktionstüchtig und ziel führend realisiert werden. Aber ebenso die Bebauung nördlich der Grabenstraße ist als autarker Abschnitt mit einzelnen Phasen zu verstehen. Entscheidend für den Rückbau des Bestandes hier und vor allem für das Gebäude Hauptstraße Nr.89 ist die Intensität seiner aktuellen Nutzung.

Die Funktionszuordnung im Bereich der Platzbebauung ist grundsätzlich flexibel. Vorgeschlagen wird hier eine Mischung aus Dienstleistung / Laden und Büro / Gewerbe, wobei die Obergeschosse im Gebäude nördlich der Rheinstraße für Wohnnutzungen vorgesehen sind. Das Eckgebäude zur Grabenstraße ist aufgrund seiner Lage und Architektur für eine öffentliche Nutzung zu bevorzugen. Hier könnte zum Beispiel die Touristinformation einen angemessenen Platz finden. Die Neubebauung Grabenstraße beinhaltet im wesentlichen Wohnnutzung. Durch die freie Stellung und Orientierung der Baukörper nach Süden, werden Wohnungseinheiten geschaffen, die über Gärten, Loggien und großzügige Terrassen eine hohe Wohnqualität garantieren. In den Erdgeschossbereichen der Straßen begleitenden Baukörper sorgen Dienstleistungen und Gewerbe für eine entsprechende Mischung.

 

BHL_LP2Bhl-Perspektive

 

ARCHITEKTUR

Die Sprache der Architektur definiert sich durch ihre klare und abstrakte Erscheinungsform. Die lamellenartige Oberflächenstruktur der Fassade, welche sowohl starre als auch bewegliche Elemente aufnimmt, erzeugt eine weiche Homogenität, wodurch die Veränderlichkeit der Nutzung eine Entsprechung findet. Bewusst gebrochen und akzentuiert werden die Fassaden durch gerahmte Glasflächen, welche dem Beobachter Transparenz und Offenheit signalisieren und die Thematik des "Schaufensters" interpretieren.

Besondere Prägnanz im Zusammenspiel der einzelnen Baukörper entwickelt das Gebäude zur Grabenstraße. Durch seine auskragende und einladende Form entsteht hier ein markantes Objekt, das zum Merkpunkt mit weiträumiger Signalwirkung und hohem Identifikationsfaktor avancieren kann.

In den Obergeschossen dieses Gebäudes können Funktionen wie Touristinformation, ein Bürgersaal oder Räume für andere öffentliche Aktivitäten etabliert werden. Im Erdgeschoss trägt ein Café mit Freisitz zur Belebung des Platzes bei. Der auskragende Teil des Gebäudes wird durch geschoßhohe Schottwände im Zusammenwirken mit den Geschossdecken realisiert. Die Konstruktion der übrigen, ebenfalls dreigeschossigen Platzbebauung basiert auf einem 5.55 m - Stützenraster. Zusammen mit einer Geschosshöhe von 3.75 m ist hier die Grundlage einer flexiblen Nutzung in allen Geschossen gelegt. Die Wohnbebauung an der Grabenstraße greift gestalterische Grundelemente der Platzbebauung auf, wobei sie sich mit ihrer solitären Ausformung eher zum nördlich gelegenen Quartier orientiert.

FREIRAUM

Das Freiraumkonzept basiert zum einen auf der Stärkung vorhandener Durchwegungen und Grünstrukturen und zum anderen auf der Gestaltung eines urbanen Platzes als nördlicher Auftakt der verkehrsberuhigten Bühler Haupteinkaufsstraße. Die lineare Oberflächenstruktur des Platzes stärkt durch einen Kanon aus differenzierter Pflasterung den Charakter und die Individualität des Ortes. Unterstützend wirkt dabei ein reduzierter und bewusster Einsatz von Stadtmöblierungen im gesamten Bereich der Hauptstraße. Die Freiräume der Wohnbebauung Grabenstraße orientieren sich einerseits an der Geometrie der Gebäude und andererseits an der das gesamte Quartier durchfließenden landschaftlichen Struktur. Die Parkierung im Wettbewerbsgebiet ist oberirdisch und dezentral vorgesehen. Auf eine Tiefgaragenanlage und damit einen weiteren Parkierungsschwerpunkt unter der Platzbebauung wird bewußt verzichtet.

 

PARTNER:

  • töpfer.bertuleit.architekten (tba) Berlin