WIR ALTEN - LEIPZIG [L21]
Ausstellungsbeitrag_Schrumpfende Städte-Interventionen_GfzK Leipzig
ARGE L21 in Kooperation mit den Autorinen Franziska Buschbeck und Gitte Kießling
"Wir Alten" ein Hörstück in vier Teilen. Die Arbeit zeigt eine fiktive Reise von „Sebastian“ durch den „Altenkorridor“ im Jahr 2050, einem Raum der Extreme in dem sich unsere Zivilgesellschaft auf allen Ebenen neu justieren muss. Seien Sie herzlich willkommen in Ihrer Zukunft!
Mehr Alte - weniger Kinder. Der ohnehin schon vom Bevölkerungsschwund geplagte Osten Deutschlands wird in den kommenden Jahrzehnten von der zunehmenden Überalterung seiner Bewohner geprägt sein. Wie gestaltet sich das Leben im Jahre 2050 im sogenannten "Korridor der Alten", in dem jeder dritte über 60 Jahre alt sein wird. Stell Dir vor Du bist 75. Karl und Wenzel erschaffen Sebastian und schicken ihn auf eine Zeitreise ins Jahr 2050. Dort erlebt er vier Räume : die Kulturstadt "Altenhausen", das autarke Gebiet "Eigenleben", die Metropole "Megapolis" und das Miniballungsgebiet "Lowhausen". ...Willkommen in Ihrer Zukunft...
Sebastian: Werner Schönfeld Karl: Axel Gärtner Wenzel: Christian Bayer
in weiteren Rollen: Reinhard Nemson, Günter Herrmann, Yves Cossette, Werner Lukas, Volker Wein, Johanna Klinghofer, Toralf Friessecke, Karla Schönfeld, Edelgard Keilhoff, Günther Kolb, Ruth Kolb, Gitte Kießling, Franziska Buschbeck
Idee & fachl.Beratung: L21
Skript & Regie: Gitte Kießling und Franziska Buschbeck
Tontechnik: Martin Bochmann
Cover: Norman Klüber
Musik: Klub7
Dank an: Arthur, Luis, Guillermo, Toralf und Norman
ALTENKORRIDOR
Deutschland überaltert und schrumpft. Was bedeutet das für unsere Städte? – Werden wir die freiwerdenden Flächen nutzen und aus Gründen der Altersvorsorge wieder enger zusammenrücken, zurück in die gut versorgten Kernzonen der Städte? Waren „Moderne“ und „Zwischenstadt“ demnach nur ein zeitweiliges Intermezzo in der Geschichte der Europäischen Stadt? Können wir also an den alten Zöpfen weiter flechten und uns auf eine sonnige Zukunft freuen, in der wir als rüstige Senioren die Urbanität von altengerechten Innenstädten bestimmen? – Wohl kaum! Die Schrumpfungs- und Überalterungsprozesse bilden sich nicht gleichmäßig im Raum ab. Sie sind Ergebnis von komplexen internen Wanderungsbewegungen. Was sich bereits in den 1990er Jahren abzeichnete wird sich in den kommenden Jahren verschärfen und räumlich polarisieren: Die Demografie folgt der Ökonomie. Während die wenigen westdeutschen Ballungsräume weiterhin unter Wachstumsdruck stehen, zeichnet sich in Ostdeutschland für das Jahr 2020 ein „Korridor der Alten“ ab, in dem jeder dritte über 60 Jahre alt sein wird. Der typische Migrant, der den „Korridor“ heute verlässt ist die junge, gut ausgebildete Frau. Damit verliert der Raum seinen regenerativen Nährboden für Nachwuchs und konventionelle Ökonomie: der „Altenkorridor“ wird gleichsam zum Korridor der Armen und Bildungsschwachen. Alle bekannten Parameter der Schrumpfung schlagen sich hier in extremer Form nieder.
EXTREMER RAUM – RAUM FÜR EXTREME
Trotz Zunahme der räumlichen Disparitäten und der sozial-räumlichen Konflikte im „Alten-Korridor“, kündigt sich in der Politik ein Paradigmenwechsel in der Förderpolitik an. Der geplante und aus finanzpolitischen Gründen kaum abwendbare Rückzug aus den extremen Räumen bietet dabei als Nebenprodukt die Chance und den Raum für neue Gesellschaftsmodelle außerhalb gängiger Denkmuster. Könnte sich also der „Altenkorridor“ in einen Zufluchtsort für Aussteiger, in ein Laboratorium für neue „Soziotope“ und informelle Wirtschaftsmodelle verwandeln? - Tatsächlich finden sich Beispiele wie das jener Aussiedler in Klein-Jasedow (Mecklenburg-Vorpommern), die dort ein alternatives Leben in einer mutierten Öko-Kommune des nformationszeitalters proben. In der Regel wachsen in den entleerten Räumen allerdings andere Extreme heran, wie die Landtagswahlen von 2004 in Sachsen und Brandenburg belegen. Gerade in den ländlichen Räumen, die im Altenkorridor liegen, konnte beispielsweise die NPD in Sachsen bis zu 15% der Stimmen erzielen. In Mecklenburg-Vorpommern erhärten sich Gerüchte um eine „Neuruppiner Mafia“ und in Zwickau erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand, die Stadt sei bis in die Rathausspitzen hinein von Scientologen unterwandert.
>Auszug des Konzeptpapiers<
PARTNER:
- L21 Initiative zur Förderung zeitgenössicher Planungskultur (Netzwerk)
- doppelton (Franziska Buschbeck & Gitte Kießling Halle/Saale)
- Galerie für Zeitgenössige Kunst Leipzig (Publikation)

