Projekte 2003 Initiative L21 STYRO-POP NÜRNBERG [L21]

STYRO-POP NÜRNBERG [L21]

Workshopkonferenz "a42.org-emerging strategies 0"_Akademie der Bildenden Künste

ARGE L21

L21-NRNBERG

NACHBETRACHTUNGEN zur Workshop-Konferenz „a42.org - emerging strategies 0” 

Es gibt sie also doch, moderne Raumkompositionen, die sakrale Qualitäten entwickeln, wie man sie sonst nur alten Gemäuern zuschreibt. Und doch sucht man in Analogie zu den historischen Paradiesen kaum 5 Minuten nach der Ankunft verzweifelt nach dem Baum mit den besonderen Früchten: Es ist schwer auszuhalten in diesem Reinstraum mit Postkartenambiente, in dem die einzelnen Institute in Reihe geschaltet am Ende doch keine Summe ergeben. Das ist schade und außer dem Üblichen - lasst uns mal vernetzen und an gemeinsamen Themen arbeiten - fällt uns wenig ein. Es liegt wohl an den individuellen Vorlieben, die uns selbst als Einzelne und eben auch die Akademie als solche nicht unerheblich steuern. Und dass man sich trotz ideal-modernistischem Umfeld doch nicht mehr auf den „Bau als Endziel aller bildnerischen Tätigkeit“ verständigen will. Der gebaute Raum der Akademie allein wird kein Modell für die Zukunft sein, in dem sich der geheime Wunsch der Architektur nach mehr Popularität einzulösen vermag. Wir beschäftigen uns also mit den Inhalten von a42.org, der „Akademie mit der Antwort auf alle Fragen“. Hinter der intellektuellen Fassade der a42.org Thesen schimmert eine charmante Ironie, die die Banalität des Alltags, als Experimentierfeld, Ausgangs- und Endpunkt architektonischer Arbeit, ernst nehmen will. Wir sympathisieren und setzen die Thesen unter Zuhilfenahme der Strategie der naiven Verkürzung diagrammatisch um. Thesen und Diagramme stehen zwar nicht für ein Akademiemodell, wohl aber für das Produkt, das diese Akademie hervorbringen will – den Architekten von morgen: Einen Cyborg mit der sozialen Kompetenz von Mutter Theresa und dem geballt kritischen Intellekt einer gespaltenen Persönlichkeit aus Peter Marcuse und Bazon Brock. „Super-A“ gefällt sich und uns in seiner selbstkritischen Überheblichkeit. Was ihm fehlt, ist eine Prise „reale“ Empirie, eine flatline zum Alltag.

 

Über Nacht entsteht „Styro-Pop“, eine disproportionierte „Cover-Version“ des Ruf`schen Ensembles im Maßstab 1:10 – ein Akademie-Modell im Reiseformat.

  

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Wir verlassen das statische „Modell-Ruf“ und gehen in die Stadt, forschen. Ohne Hypothese - einfach nur so. Es geht um eine Entgrenzung der verräumlichten Kontemplation. Wir testen „Styro-Pop“ an verschiedenen Orten. Die Wirkung schwankt zwischen Provokation, Langeweile und Kommunikation. Und wiederum ist es die Naivität der entstandenen Fotoskizzen, die helfen soll, zu übersetzen, um was es geht: nicht um die Akademie allein, oder ihr Modell, sondern um den real erfahrenen Kontext – global oder lokal - der dann verdichtet, extrahiert und extrudiert werden kann. In aller Kontemplation, am Nürnberger Rand. Die Zufälligkeit der Situationen und Reaktionen sagt viel über die Befindlichkeit der Stadt. Beim Nürnberger  Volksfest in unmittelbarer Nähe des Reichsparteitaggeländes interessiert sich niemand groß für „Styro-Pop“. Wir kommen unter anderem an Günter Domenigs angestrengtem Versuch, dem Verbrechen einen Ausdruck zu verleihen, vorbei, um ein paar Meter weiter zu beobachten, wie einige Nürnberger Tennisspieler jegliche Frage nach dem Umgang mit NS-Architektur perfekt retournieren. „Nürnberg ist die langweiligste Stadt Deutschlands“ ruft uns von dort Mike A. (33) aus dem Vorort Oberasbach zu und wir hoffen, dass sich die Akademie der Bildenden Künste zu Nürnberg nicht angesprochen fühlt. 

Der Workshopbeitrag von L21 (KARO + m.f.s) ist das Zwischenresultat eines ergebnisoffenen Prozesses, der in intensivem Zusammenarbeit mit den Studentinnen und deren Studienerfahrungen in der Zeit vom 24.-26. April 2003 entstanden ist.

 

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