DEUTSCHE BOTSCHAFT WARSCHAU [W]
Realisierungswettbewerb_Finanlist
KONZEPT
Der Neubau der Deutsche Botschaft in Warschau entsteht zu einer Zeit, in der Europa und somit auch die Begrifflichkeit von Botschaften neu definiert wird. Pluralität, Demokratie und Globalisierung bilden die Grundlage und das Fundament auf dem das Haus Europa entstehen soll. Die konzeptionelle Übersetzung dieser Thematik führt zu ideelen Dualismen die tragenden und prägenden Einfluss ausüben. >Öffentlichkeit-Sicherheit; Europa-Regionen; Kontinuität-Dynamik; Repräsentant-Arbeitsplatz; Kanzlei-Residenz; Tradition-Zukunft; etc.< Überträgt man diesen inhaltlichen Dualismus auf die Formensprache des Gebäudeensemble, entstehen Räume die die Grenzen überwinden und das Gegensätzliche zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen.
VERORTUNG
In die dichte Grünstruktur des Ortes wird eine Fläche implantiert die das Programm der Deutschen Botschaft aufnimmt und eine klare äussere Kante bildet. Zur Definition dieses Areals, des "Baufeldes", werden nutzungsspezifische Vorgaben genutzt, wie die Einhaltung von Distanzen und die befristete Erhaltung des Bestandes. Die äusseren Einflüsse auf diese Fläche führen zu einer Fragmentierung des Ganzen, ohne es zu zerstören
WAHRNEHMUNG
Der Baumbestand wirkt wie ein Filter, der das Gebäude durchschimmern lässt und sich bei der Annäherung langsam auflöst. Die fragmentierte Aussenkante wird sichtbar und die innere Struktur lässt sich erahnen. In der Aussenhaut sind die Bezüge zum Freiraum sparsam, aber genau gesetzt, so dass ein Dialog, ein Gespräch zwischen den Häusern im Park und dem Park selbst entstehen kann.
LANDSCHAFT
Das Gelände der Deutschen Botschaft in Warschau hat gartengeschichtlich bedeutsame Nachbarn aus der Zeit des Barock und des englischen Landschaftsgartens. Der wertvolle und raumprägende Baumbestand der vorhandenen Situation und die gartenkünstlerische Nachbarschaft möchten wir zu einem modernen Konzept mit historischen Elementen verbinden.Der heiter-leichte Formenkanon der Parklandschaft inspiriert die Hauptlinien des Gebäudes. Die strenge Materialität und Geschlossenheit der Fassade steht dagegen im gewollten Kontrast zur Landschaft. Die Struktur des Baumgerüstes des Parks geht ein Wechselspiel mit der Fassade ein und wird somit zu einem Hauptgestaltungslement nicht nur des Parks sondern auch der Architektur.

BOTSCHAFTSPARK
Räumliches und gedankliches Grundgerüst und Ausgangspunkt bildet der Baumbestand. Weite und fließende Räum mit Lichtungen und waldartigen Schattenpartien bleiben erhalten und werden durch die Anlage großzügiger Vegetationsflächen unterlagert und botanisch angereichert. Ein weicher grüner und dezent blühender Teppich als Landschaftpark schafft eine ruhige Kulisse für Haus und den intensiven Botschaftergarten. Für die Unterpflanzung der Bäume stellen wir uns den Einsatz bodendeckender Gräser und Stauden vor, in leicht nuancierenden Flächen. Akzente werden durch eingefügte Großgehölze gesetzt, deren Artenauswahl von der Sammelleidenschaft der Gartenkünstler des vergangenen Jahrhunderts von botanischen Kostbarkeiten inspiriert ist.
GARTEN DES BOTSCHAFTERS
Den großen extensiven Flächen des Botschaftsparks stehen kleine punktuelle Kostbarkeiten intensiver Pflanzungen und Ausstattungen gegenüber.Eingebettet in den geschwungenen Formenkanon des Botschaftsparks befinden sich das Botschftagebäude mit dem Garten des Botschafters. Dieser ist gegliedert in den stiller See-Spiegel der Ruhe und Kontemplation mit seinem Gegenpol - der Terrasse. Dieser Raum, gedacht für Feste und Veranstaltungen wird sparsam möbliert und belebt durch intensive Gärten mit einer Blütenpracht der Pflanzungen des pleasure ground. Verwendung finden jedoch Stauden, Gräser und Zwiebelpflanzen entsprechend zeitgenössischer Gartenkunst. Formal erinnert der zentrale Garten an ein Füllhorn mit seinen Früchten.
SUBSTANZ
Die Substanz des Gebäudes muss ebenso die Dualismen von Repräsentation und Funktionalität, Tradition und Zukunft oder Kontinuität und Dynamik wiederspiegeln. Die Materialien in ihrer reinen Form sichern die bewusste Wahrnehmung und die freie Assoziation des Wahrgenommenen. Die Natur prägt den Ort und der Ort prägt die Hülle des Gebäudeensembles der Botschaft. Gebrannter Ton, als ein alter und dauerhafter Baustoff, bildet die Verkleidung des neuen Gebäudes. Der unveredelte Ziegel steht der rahmenlosen Verglasung gegenüber und verschmilzt mit ihr zu einer natürlichen Harmonie. Dieser Dualismus steht für den Inhalt und ist gleichsam funktional, wirtschaftlich und nachhaltig Sinnvoll

