DUNKERVIERTEL LEIPZIG [L21]
Städtebauliches Gutachten_Dunkerviertel Neu-Lindenau_LWB
ARGE L21
Die Leipziger Wohnungsbaugesellschaft (LWB) besitzt über 50% des Wohnungsbestandes in Neulindenau und muss gerade in den unsanierten Bereichen mit hohen Leerstandszahlen kämpfen. Die bauliche Entwicklung dieses Quartieres begann an der Lützner Straße in den 1920er Jahren und erfuhrt besonders in den 1950er Jahren einen baulichen Schub durch die Errichtung der "Duncker-Siedlung". Schon durch die Anlage dieses Stadtteiles baute man auf eine gewollte Insellage des "Neuen Wohnens", welche sich jedoch besonders in den 1990er Jahren eher zu negativen Ausformulierungen entwickelte. Das angrenzende Kleingartenmeer, der nicht entwickelte und brachliegende ehemalige Hafen und der wenig besetzte Gewerbe(Park) bilden derzeit eher geschlossene Ränder, welche es zu öffnen und zu entwickeln gilt. Die Insel braucht einen Strand.

- Der Hafenbereich
Durch den Durchstich des Karl-Heine-Kanals könnte man diesen schlummernden Bereich erwecken und ihn der Duncker-Siedlung als Qualität zur Seite stellen. Schon jetzt haben sich hier Idyllen gebildet, welche es zu erschliessen gilt. Diese Flanke könnte sich im wahrsten Sinne des Wortes zum "Strand" von Neulindenau entwickeln.
- Der Kleingarten(Park)
Das Meer von Kleingärten ist grün, aber eingezäunt und verschlossen. Diesen grünen Freiraum zu öffnen galt es zu qualifizieren. Die bestehenden Wege und Plätze, Gartenlokale und Spielplätze müssen nur vernetzt werden, um aus dieser unzugänglichen grünen Oase einen der Öffentlichkeit zugänglichen Kleingarten"Park" zu entwickeln.
DIE DUNCKER SIEDLUNG
Die Duncker-Siedlung, als eine klassische Vertreterin des Städtebaus der 1950er Jahre stellt sich als homogenes Ganzes dar und bildet mit dem sensiblen Umgang der Freiräume und Bezüge, der feinen städtebauliche Strukturierung und dem konsequenten Siedlungsgedanken eine besondere Qualität. Wohlproportionierte Stadträume, Blickachsen und ausgereifte Raumsequenzen wirken auf den Betrachter und vermitteln Harmonie und Ruhe.
- Bestandserhaltung
Unsaniert oder teilsaniert ist der Bestand derzeit kaum vermietbar. Mit niedrigsten Mietpreisen kann versucht werden, die Bestände wieder zu vermarkten, wobei Neulindenau als Standort für das Niedrigpreis-Segment (Studenten, etc.) nur bedingt geeignet scheint.
- Bestandssanierung
Dabei sollten Änderungen der Grundriss-Typen und eine dezente Komforterhöhung integriert werden, um eine notwendige Individualisierung der inneren Struktur zu erreichen. Als strategisches Ziel wäre eine konzentrierte "Umschichtung" von Bewohnern aus Grünauer Rückbaugebieten denkbar.
- Bestandsumbau mit Teilrückbau
Durch massive Eingriffe in die Struktur, welche eine Aufgabe des einheitlichen Siedlungsbildes darstellt, kann eine "Gartenstadt-Atmosphäre" im Bestand entstehen. Da die Erstellungskosten für derartige Maßnahmen im oberen Bereich liegen, wäre die Ansiedlung im gehobenen Eigentums- bzw. Mietwohnsegment erforderlich. Dies erscheint bei Ausschöpfung aller Potenziale der Umgebung und des Ortes selbst als gangbarer Weg selbst auf dem angespannten Immobilienmarkt der Stadt Leipzig.
- Rückbau mit Parzellierung
Unsanierte und leerstehende Gebäude werden zurückgebaut, wodurch Freiflächen entstehen, die parzelliert werden können und mit neuem Baurecht für eine lockere Bebauung versehen werden. In realativer Zentrumsnähe würde ein attraktives Gebiet von Einfamilienhäusern entstehen, das die Konkurrenz zu Umlandgebieten nicht scheuen muß.

- Rückbau mit Bewaldung
Die Umwidmung der durch den Rückbau freiwerdenden Flächen bildet die Grundlage für extensive Zwischen- nutzungen der Freiräume. Wald- und Feldstrukturen, als landschaftliche Bewirtschaftung stellt das Grundthema dieser Bereiche dar. Eine wieder in Anspruch nahme ist im Bedarffall denkbar, wodurch eine zu dieser Zeit sinnvolle Art der baulichen Nutzung zu verhandeln ist und somit eine Neudefinition der Stadtstruktur stattfindet. Ein wirklicher Stadtumbau könnte so ohne Vorurteile und Befindlichkeiten ausgehandelt werden.

- Verdichtung
Die äußerst großzügigen Freiräume lassen eine partielle Nachverdichtung zu, ohne das die vorhandenen Qualitäten massiv beeinträchtigt werden. In der aktuellen Situation sind dies fiktive Gedankenspiele, da ein solches Szenario einen "Boom" voraussetzt, welcher ausschliesslich durch strategische Entscheidungen bzw. Großereignisse, wie Olympia 2012, erzeugt werden kann.
IMAGE UND KOMMUNIKATION
Diese Siedlung braucht neben der Selbstverständlichkeit einer massiven Zielguppenorientierung, auch die Besinnung auf die eigenen Qualitäten. Der Name "Neu-Lindenau" muss mit positiven Assoziationen besetzt werden. Der Arbeitstitel "Garteninsel" steht für diese positive Identität und kann mit Hilfe des neuen "Stadtteilwappen" in einer Imagekampangne die Vorzüge des Viertels transportieren. Als erster Schritt muss die Stabilisierung der endogenen Identitäten erfolgen. Abschließend kann festgestellt werden, dass für "Neu-Lindenau" das Potential besteht, gestärkt aus der aktuellen Situation des Stadtumbaus hervorzugehen. Die leerstehenden und unsanierten Gebäude haben bisher keine negative Ausstrahlung entwickelt. Trotz der oberflächlichen Ruhe kann das Gebiet heute nicht als konsolidiert bezeichnen werden. Ein "Umkippen" der Siedlung sollte dringend verhindert werden.
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